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Von Tobias Wolf | 6. Oktober | Wandern & Natur


Arberhexe, Arbergeist oder das Männlein vom Moosbach

Wandern auf mystischen Pfaden

Entdecke die Orte der schaurigsten Mythen und Sagen rund um Bodenmais im Bayerischen Wald

Der Nebel zieht über die Wogen der Bayerwaldberge. Mystisches Licht durchdringt den Wald. Keine andere Jahreszeit im „Woid“ ist so geheimnisvoll wie der Herbst. Besonders früher, als es oft noch keine wissenschaftliche Erklärung für so manches schaurige Phänomen in der Natur gab, erzählten sich die Menschen gruselige Geschichten. Viele nahmen die Natur, insbesondere zur Herbstzeit, als etwas

Bedrohliches wahr. Dunkle Berge, schwarze Bergseen und unzugängliche Schluchten regten die Fantasie der Leute an. Daraus

sind über die Jahrhunderte viele Sagen und Mythen entstanden, die wir hier gerne erzählen möchten – und auf deren Spuren

du auch heute noch wandern kannst.

DAS GRÜNE WASSER AUS DEM SILBERBERG

Aus einem Stollen am Silberberg kam einst grünes Wasser hervor. Dort sollte es noch bis nach dem zweiten Weltkrieg geweihrazt (gespukt) haben. Man sah dort des Öfteren in den Nächten nach Allerheiligen kleine Lichter umherfliegen. Damals waren einige Bergmänner bei einem Unfall von einem Felsen erdrückt worden. So kam der Pfarrer mit zwei Ministranten, um den Opfern die Sterbesakramente zu spenden. Sie gingen hinein, doch kamen auch sie nicht mehr aus dem Stollen heraus. Wo sie abgeblieben sind, weiß bis heute keiner. Seit diesem Ereignis

hatte man dort immer wieder kleine Lichter gesehen.

Wanderung: Auf den Bodenmaiser Hausberg, den Silberberg, führen viele Wege. Besonders mystisch ist es rund um die Übertageabbaustätte

„Gottesgab“. Du kannst auch bequem mit dem Bus zur Talstation fahren und von hier mit dem Sessellift auf den Gipfel. Der Bus ist mit der Bodenmaiser Gästekarte kostenlos.

DAS MÄNNLEIN VOM MOOSBACH

Eine alte Sage erzählt von einem kleinen Mann, der sich in den Wäldern um den Moosbach aufhält und dort einen großen Schatz bewacht. Laut der Sage kann dieser Schatz nur in der Christnacht um Mitternacht gehoben werden, aber man müsse darauf achten, dem kleinen Mann nicht zu begegnen. Zu diesem Zeitpunkt verrät ein helles Licht, wo sich der Schatz befindet. Drei Burschen aus Bodenmais machten sich also in der Christnacht auf, um den Schatz zu heben. Am nächsten Morgen trafen Kirchgänger die drei Burschen, die erst jetzt aus dem Wald zurückgekommen waren. Alle drei waren kreidebleich und konnten kein Wort über das verlieren, was ihnen im Wald widerfahren ist. In den kommenden drei Wochen verstarben alle drei Burschen auf mysteriöse Weise. Seitdem hat niemand mehr versucht, den Schatz vom Moosbach zu heben.

Wanderung: Auf den Spuren dieser Sage bist du unterwegs, wenn du die Tour zum Hochfall, dem zweithöchsten Wasserfall im Bayerischen Wald, in Angriff nimmst. Nach dem Hochfall kannst du entlang des Moosbachs zurück nach Bodenmais wandern.

DER ARBERGEIST

Dieser Geist geht im Arbergebiet um. Er versucht, Wanderer zu täuschen, sie vom Weg abzulocken, bis sie sich verlaufen und hilflos umherirren. Der Arbergeist gibt dem Wanderer immer mehr faszinierende Naturschönheiten zu sehen, lockt sie damit immer weiter vom Weg, bis sie sich nicht mehr auskennen. So manchen hat der Arbergeist an einem nebligen Tag oder im Schneetreiben versucht, in die Abgründe

der Arberseewand zu locken. Insbesondere am Mittagsplatzl geht die Arberseewand 400 Meter fast senkrecht zum Arbersee runter. Es gibt viele Geschichten, laut denen Wanderer fast den Abgrund übersehen hatten und sich gerade noch festhalten konnten, um den Sturz in den sicheren Tod zu vermeiden. Alle erzählten sie, dass sie sich verlaufen haben, obwohl sie den Arber sehr gut kannten. Hat der Arbergeist

sie vom Weg gelockt? Und wie viele sind die Steilwand schon hinuntergestürzt und spurlos im Arbersee verschwunden? Doch keine Sorge! Bei der Stelle am Mittagsplatzl wurde vor dem Abgrund ein Kreuz aufgestellt, hier hat nun der Arbergeist keine Macht mehr und kann keine Menschen mehr in den See stürzen.

DIE ARBERHEXE

Dem Arbergeist gehört das Gebiet um den Arber, den Gipfel aber darf er nicht betreten. Dieser gehört der Arberhexe. Sie ist die mächtigste und böseste Hexe im Bayerischen Wald und hat das Vorrecht, auf dem Arberplateau zu leben. Wehe, ein Wanderer stört in der Nacht ihre Ruhe! Der ist verloren, wird von der Hexe gekratzt und gebissen, bis er ganz zerschunden das Arberplateau eiligst verlassen muss. Nur der Hexe allein gehört der Arbergipfel in der Nacht. Der Große Arber galt lange als verrufener Berg. Hinter der Sage der Arberhexe steckt,

dass unsere Vorfahren, die Kelten, den Arber als Sitz ihrer dreifaltigen Göttin ansahen, die als weiße, rote oder schwarze Frau erschien. Je nachdem, wie sie gekleidet war, brachte sie Gutes oder Schlechtes zu den Leuten. Der Arber selbst scheint, wenn man diesen von der Ferne betrachtet, als hätte er drei Gipfel, was diesen Kult begünstigt haben dürfte. So wallfahrteten unsere keltischen und germanischen Vorfahren

zum Arber, um der Göttin zu huldigen. Als dann das Christentum Einzug hielt, verrief man diese Göttin zur Hexe und keiner sollte sich mehr auf den Berg wagen, ansonsten würde er verhext. Diese Geschichte brannte sich so stark in die Gedanken der Waidler ein, dass sie den Berg bis 1800 mieden. Erst als die ersten Sommerfrischler (Gäste aus den Städten) kamen und den Gipfel ersteigen wollten, mussten die Einheimischen

zwangsweise wieder auf den Arber. Verflogen war die Angst vor der Hexe aber noch nicht. Um sie zu bannen, errichtete man Anfang 1800 die Arberkapelle.

Wanderung: Der Große Arber kann bspw. über die Rißlochschlucht und die Chamer Hütte oder ab dem Bretterschachten über das Mittagsplatzl erwandert werden. Wer will kann auch mit dem Wanderbus direkt von Bodenmais zur Talstation fahren und von dort mit der Gondel auf den Gipfel. Für Bodenmaiser Gäste ist der Bus kostenlos.

DER ARBERSEE SUCHT SICH SEINE OPFER

Eine alte Sage erzählt, dass einmal ein Wanderer um den großen Arbersee ging, da hörte er eine Stimme flüstern: „Nicht die richtige Zeit, nicht das richtige Opfer.“ Der Mann suchte, woher die Stimme kam, konnte aber nirgends jemanden sehen. So dachte er sich, der Wind hätte ihm einen Streich gespielt, als dieser durch die Äste pfiff. Kurze Zeit darauf begegnete er zwei anderen Wanderern, ein Mann und eine Frau, die die

Tour entgegengesetzt gingen, sie grüßten sich freundlich und gingen aneinander vorbei. Ein paar Minuten später hörte er wieder diese flüsternde Stimme: „Der richtige Ort und das richtige Opfer.“ Wieder schaute er sich um und konnte niemanden entdecken. Einige Tage darauf erfuhr er, dass an diesem Tag, wo er um den Arbersee ging, ein Pärchen verschwunden war, erst Tage später fand man ihre leblosen Körper auf der Wasseroberfläche treiben, beide waren ertrunken. Immer wieder verunglücken Menschen tödlich in der Nähe des Arbersees, manche stürzen von der Arberseewand, andere ertrinken im See. Ist der Arbersee mit einem Fluch belastet? Oder deutet diese alte Sage auf einen uralten Ritus unserer Vorfahren hin? Wurde der Arbersee als kultischer Platz verehrt und für Opfer genutzt? Für die Kelten waren bestimmte Gewässer heilige Orte, an denen sie Opferungen machten. Es wurden Waffen von besiegten Feinden versenkt oder sogar Menschenopfer

vollbracht. War der Arbersee ein solcher Ort, der in den Augen der Kelten mit einem Opfer besänftigt werden musste?

Die folgenden Sagen würden diese These bestätigen:

DIE GOLDENEN FISCHE UND DER RIESE VOM ARBERSEE

Im Arbersee schwimmen laut alter Legende goldene Fische, sie haben Augen aus den schönsten und wertvollsten Edelsteinen. Wer einen solchen Fisch fängt, der könnte sich ein Königreich kaufen. Aber wehe dem, der diese Fische aus dem Wasser holt, dieser wird vom Arbersee verschluckt und muss elendig ertrinken. Deutet diese Geschichte auf die geopferten Schätze hin? Soll sie die Menschen davon abhalten, diese

zu bergen und so die Götter zu erzürnen? Außerdem soll am Grunde des Sees noch heute der Arberriese leben, der hier, um die Menschen zu schützen, von den Arberseenixen festgehalten wird. Wer sich nicht davor scheut, auch bei stürmischem Wetter einen Spaziergang um den Großen Arbersee zu machen, kann erleben, wie er nach wie vor am Seegrund tobt.

KEINE STEINE IN DEN ARBERSEE WERFEN

In den Arbersee darf man keine Steine werfen, die Ruhe dieses Gewässers darf nicht gestört werden. Wer Steine hineinwirft, erzeugt Wellen, der Arbersee kann laut alter Erzählung diese so groß machen, dass das Wasser aus dem See schwappt und das darunterliegende Land, den Bayerwald, komplett überflutet und so alle Menschen in den Fluten sterben müssen. Deutet diese Sage darauf hin, dass der Arber für unsere

Vorfahren ein sakraler Ort war, an welchem Ehrfurcht und Demut zu zeigen sind, um die dort lebenden Wesen und Götter nicht zu beleidigen?

TOR ZUR UNTERWELT

Der Arbersee hat auch den Ruf, ein Tor zur Unterwelt zu sein. Wer tief in den Arbersee hinab taucht, taucht in der Unterwelt wieder auf. Durch seine schwarze Färbung hielt man diesen See für einen Zugang zur Hölle. Vielleicht glaubte man, dass durch solche Zugänge die Teufelsbrut auf die Erde kam. So war dieser See zu meiden, denn wer wollte gerne in der Nähe sein, wenn ein Dämon aus dem See aufstieg? Diese Geschichte

deutet ebenfalls auf einen sakralen Ort unserer Vorfahren hin. Was für die Kelten und Germanen heilig war, wurde später von der Katholischen Kirche als Teufelsort verrufen. So wurde dieser sakrale See, an dem sich unsere Vorfahren wohlfühlten, als Tor zur Unterwelt verrufen, der unbedingt zu meiden war. So brachte die Kirche die Heiden von ihren alten sakralen Plätzen weg und machte so den alten Glauben vergessen.

WEISSE GESTALTEN UM MITWINTER

Laut alten Überlieferungen tanzen um Mittwinter (Wintersonnenwende) auf dem zugefrorenen Arbersee weiße Gestalten. Ist dies ein Hinweis, dass an Mittwinter die Druiden dort ein Fest feierten? Für unsere Vorfahren war der Mittwinter ein großes Fest, die Sonne war an diesem Tag am Tiefpunkt angekommen. Ab diesem Tag wurden die Tage wieder länger, der Sonnengott hatte die Dunkelheit besiegt. Natürlich wurden diese Feste an sakralen Orten abgehalten, also kann es auch gut sein, dass so etwas am Arbersee stattfand.

Wanderung: Der Arbersee ist ebenfalls bequem mit dem Wanderbus von Bodenmais aus erreichbar. Der Rundgang um den See

dauert ca. 45 Minuten – und ist bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit ein Erlebnis.

OPFERSTÄTTE RIEDERINFELSEN

Auf dem Riederinberg steht der etwa 10 Meter hohe, markante Riederinfelsen. Laut alten Überlieferungen sind dort Keltenschalen

eingeschlagen worden. Diese Opferschalen werden von den Einheimischen als Blutrinne bezeichnet, hier sollen den Göttern Opfer gebracht worden sein. Was genau diese Opfer waren, kann man heute nicht mehr genau sagen, aber von der größeren Opferschale geht eine Rinne über

den Felsenrand weg. Dort kann man sich mit Grausen vorstellen, dass hier Menschen oder Tiere geopfert und das Blut in der Rinne aufgefangen wurde, bis diese so weit gefüllt war, dass das Blut über die Rinne in den Abgrund floss. Das Blut hätte sich dann über kleinere Rinnen verteilt und einen schrecklich schaurigen Anblick ergeben. Was außerdem für einen keltischen Opferplatz spricht, ist, dass man vom

Riederinfelsen einen schönen Blick auf den heiligen Berg der Kelten hatte, den Großen Arber. Man sieht vom Felsen direkt in die

Rißlochschlucht, die, wenn sie durchquert wird, zum Arber führt. So könnte der Riederinfelsen die letzte Station der keltischen Wallfahrer gewesen sein, bevor sie sich am nächsten Tag zum König des Bayerischen Waldes aufmachten. Der Riederinfelsen wurde im Dritten Reich

auch als Opferstätte und mystischer Ort von der SS markiert, es wurde ein Schild mit dem Hakenkreuz darauf angebracht. Heinrich Himmler ließ solche alten Kultorte suchen und kartographieren, damit er sie nach dem Endsieg für seine SS-Rituale verwenden konnte. Dieses Schild wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder entfernt, heute erinnert nur noch eine Eisenstange, an welcher dieses Schild angebracht war,

daran. 2015 wurde auf dem Riederinfelsen ein Gipfelkreuz angebracht.

Wanderung: Vom Parkplatz an der Ameisenstraße können Sie Richtung Riederinfelsen starten. Eine Eisenleiter führt auf den ca. 10 Meter hohen, freistehenden Felsen. Oben angekommen bietet sich ein schöner Blick auf Bodenmais und das dahinterliegende Arbermassiv.

Detaillierte Infos zu den mystischen Touren gibt's in der Tourist-Info Bodenmais • T 09924/778-135 • E-Mail: info@bodenmais.de

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