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Von Tobias Wolf | 1. Mai 2021 | Wandern & Natur


Einzigartiges Mittelgebirge

Die Geschichte des Bayerischen Waldes

Wie ist der "Woid" entstanden? Wie geht es ihm heute? Und wie sieht er in Zukunft aus? Wir geben Antworten!

Der Bayerische Wald ist Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Er ist Erholungsort für Einheimische und Gäste. Er bietet Freizeitsportlern schier unendliche Möglichkeiten – Sommer wie Winter. Und er ist ein Lieferant für den nachhaltigen Rohstoff Holz. Doch wie ist der Bayerwald eigentlich entstanden? Wir blicken zurück.

Die grüne Lunge Mitteleuropas

Der Bayerischer Wald bildet zusammen mit den angrenzenden Wäldern des Böhmerwalds, des Oberpfälzer Walds, des Neuburger Walds und des Sauwalds das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas. Hohe Berge, tiefe Schluchten, stille Waldseen, ein Meer aus Waldwogen und uralte Riesenfichten findet man hier – eine wilde Landschaft mit unbändiger Natur.

Eismassen schliffen den „Woid“

Im Gegensatz zu den erdgeschichtlich noch jungen Alpen entstand der Bayerischer Wald vor sehr langer Zeit. Vor rund 600 Millionen Jahren verschoben sich Erdplatten, was große Auswirkungen auf Mitteleuropa hatte. So wurde auch der Bayerische Wald emporgehoben. Zu diesem Zeitpunkt war der Bayerwald noch von hohen schroffen Bergen geprägt. Doch im Laufe von Jahrmillionen wurde das Gebirge durch Verwitterungsprozesse stetig abgetragen. Übrig blieb eine gewellte Hochfläche.

Während der letzten Eiszeiten, die bis etwa 10.000 vor Christus andauerten, erhielt der Bayerische Wald schließlich sein heutiges Aussehen. Ein dicker Eispanzer bedeckte das Gebirge und schliff die ohnehin schon gewellten Kuppen weiter ab. Wo sich Gletscher ihren Weg ins Tal bahnten, kann man noch heute eiszeitliche Formen entdecken. So sind der Große und Kleine Arbersee durch Gletscherbewegungen entstanden.

Zu unattraktiv für die Römer

Bis heute gehört der Bayerische Wald mit seinen stillen Bergseen, dunklen, mystischen Wäldern und tiefen Schluchten zu den rauesten Regionen Deutschlands. Lange Zeit wagte es kaum ein Mensch, diese unwirtliche Gebirgsregion zu besiedeln.

Undurchdringliche Wildnis


Das römische Reich endete an der Donau. Das waldreiche Gebiet weiter nördlich erschien den Römern wirtschaftlich zu unattraktiv – und so ließen sie es links liegen. Auch im frühen Mittelalter galt der „Woid“ noch als undurchdringliche Wildnis, als ein Ort ohne Recht und Gesetz. Das zog Menschen an, die anderswo verfolgt wurden, wie Wilderer, Schuldner und Entrechtete, die im finsteren Wald ihr Versteck fanden.


Als Erste wagten sich Mönche aus den Donauklöstern im frühen 11. Jahrhundert für längere Zeit in den Bayerwald. Sie begannen damit, durch Rodung die Wälder zu erschließen. Einige Bauern folgten den Mönchen und um die neu errichteten Klöster entstanden erste kleine Siedlungen.


Beginn der Glas- und Bergbautradition


Im Spätmittelalter fanden Glasbläser den Weg in den Bayerischen Wald. Das Mittelgebirge hatte für sie zwei unschätzbare Vorteile. Zum einen gab es dort reiche Vorkommen an Quarz, dem wichtigsten Rohstoff für die Glasherstellung. Zum anderen benötigten sie große Mengen an Holz, um ihre Produkte herstellen zu können. Beides hatte der Bayerische Wald im Überfluss zu bieten. Auch der Bergbau, wie am Silberberg in Bodenmais, lockte die Menschen in den Wald.


Säumerpfade: Wichtige Handelsrouten

Einen großen Anteil an der Besiedlung hatten außerdem die Säumerpfade durch den Bayerischen Wald, benannt nach Transporteuren, die Waren über die Alpen brachten. Die Pfade galten jahrhundertelang als wichtigste Handelsverbindungen von den wirtschaftlichen Zentren an der Donau über den Bayerischen Wald in die böhmischen Städte. Vor allem Salz wurde so auf Lastkarren über das Mittelgebirge nach Norden transportiert. Auf dem Rückweg gelangten Getreide, Hopfen, Honig und Branntwein in die Donaustädte. Der bekannteste dieser Säumerpfade ist der „Goldene Steig“, der von Passau ins tschechische Prachatice führte.

Vom Armenhaus zur Tourismusregion

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein galt der Bayerwald als das Armenhaus Deutschlands. Die Landwirtschaft verlangte den Bauern viel ab. Die nährstoffarmen Böden waren schwer zu bewirtschaften und gaben nicht viel Ertrag her. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Bayerische Wald mit zusätzlichen Strukturproblemen zu kämpfen. Die Grenzen des Eisernen Vorhangs schnitten die Region von den wichtigen Handelsrouten nach Böhmen ab. Doch in den 1950er Jahren erkannte man, dass der Bayerische Wald einen unschlagbaren Vorteil besitzt: eine wunderschöne Natur. Insbesondere in Bodenmais setzten die Einheimischen früh auf den Tourismus. Aus landwirtschaftlichen Anwesen wurden Hotels. Die Entwicklung ging stetig weiter und so entwickelten sich Bodenmais und der gesamte Bayerische Wald zu einer beliebten Urlaubsregion. Heute ist der Tourismus der wirtschaftliche Motor im „Woid“.

Wie es dem "Woid" heute geht erfährst du weiter unten im Interview mit Forstbetriebsleiter Jürgen Völkl.

„Der Bayerwald ist bunt“


Im Gespräch mit Forstbetriebsleiter Jürgen Völkl über den Zustand unseres Waldes


Der Forstbetrieb Bodenmais erstreckt sich von Mitterfels bis Grafenau, von der Isar bis zum Großen Arber. Er ist geprägt von Bergmischwäldern und natürlichen Fichtenwäldern mit hohen Anteilen an alten und starken Bäumen. Die Verwendung der hier geernteten Hölzer reicht vom Brennholz über Bauholz bis zum Musikinstrumentenbau.


Naturschutz liegt dem Forstbetrieb am Herzen: Im Forstgebiet gibt es mehr als 500 Hektar Naturschutzgebiete und 4100 Hektar FFH-Gebiet (Fauna-Flora- Habitat). So werden viele seltene Pflanzen und Tiere geschützt. Seit Jahren brüten hier Uhu, Wanderfalke und Auerhuhn. Und natürlich sind die Wälder, insbesondere die rund um Bodenmais, ein Ort der Erholung – ob für Naturfreunde oder Sportler. 17.200 Hektar naturnaher Wald, hunderte Kilometer an Forst- und Wanderwegen sowie über 200 Kilometer Loipen sind ein Genuss für Wanderer, Mountainbiker, Trailrunner oder Schneeschuhgeher und Langläufer.


Wir haben uns mit Forstbetriebsleiter Jürgen Völkl über den Zustand des Bayerischen Waldes unterhalten. Im Gespräch erklärt er, wie der „Woid“ für den Klimawandel gerüstet ist und was er ihm persönlich bedeutet.


„Dem Bayerischen Wald geht's gut“


Lieber Herr Völkl, wie geht es unserem geliebten Bayerischen Wald? Andernorts, beispielsweise im Harz, hat das Waldsterben bedrohliche Ausmaße angenommen…

Jürgen Völkl: „Was soll ich sagen – wenn ich an die Schäden im Harz oder in Nordbayern denke, geht’s dem Bayerwald richtig gut – wenn ich die Situation mit der vor 10 Jahren vergleiche, hat der Wald auch hier mit Trockenheit und Borkenkäfer zu kämpfen, allerdings in weitaus schwächerem Umfang.“


Wie setzt sich der „Woid“ rund um Bodenmais zusammen? Welche Baumarten bestimmen die Waldlandschaft?

Jürgen Völkl: „Unser Wald, das heißt der Wald der Bayerischen Staatsforsten rund um Bodenmais, ist sehr naturnah aufgebaut – bis zu einer Seehöhe von rund 900 bis 1000 Metern bestimmt der „Bergmischwald“ mit Buchen, Tannen und Fichten auf rund 90 Prozent der Fläche das Waldbild. Darüber, bis zur Waldgrenze am Großen Arber, sind es natürliche Fichtenwälder. Insgesamt gibt es 69 Prozent Nadelbäume (54 Prozent Fichten, 12 Prozent Tannen sowie 4 Prozent Kiefer, Lärche und Douglasie) und 31 Prozent Laubbäume (24 Prozent Buchen, 2 Prozent sogenannte „Edellaubhölzer“ wie Bergahorn, Esche, Ulme, Linde und 4 Prozent „sonstige Laubhölzer“ wie Vogelbeere und Birke. Die Eiche spielt aufgrund der Höhenlage mit rund einem Prozent nur eine geringe Rolle.“


Wie gut ist der Bayerische Wald für den Klimawandel gerüstet? Und welche Maßnahmen ergreifen die Bayerischen Staatsforsten?

Jürgen Völkl: „Lassen Sie mich die Antwort teilen: Der Bayerische Wald ist meinem Gefühl nach ziemlich gut gerüstet. Auf 44 Prozent der Fläche des Forstbetriebs gibt es bereits heute eine sogenannte „Vorausverjüngung“, das heißt unter den alten Beständen wächst die neue Waldgeneration mit heran. Die sogenannte „Klima-Risiko-Karten“ – also wissenschaftliche Prognosen für die verschiedenen Baumarten bis 2050 und 2100 – weisen für unsere Hauptbaumarten trotz der Klimaerwärmung nur ein geringes bis sehr geringes Klimarisiko auf. In Kombination mit unserem ausgeklügelten System der Borkenkäferbekämpfung und mit etwas Glück in Bezug auf ziemlich hohe Niederschläge – auch wenn das die Urlauber nicht freut – bin ich da vorsichtig optimistisch!


Millionen Bäume gegen den Klimawandel


In Bayern insgesamt hingegen schlägt die Klimaerwärmung deutlicher durch. Die Bayerischen Staatsforsten pflanzen und säen deshalb zusätzlich zur „normalen“ Waldverjüngung (5 Millionen junge Bäume im Jahr) in den nächsten fünf Jahren jährlich über eine Million Klimawald-Bäume zur Bewältigung des Klimawandels – in der Summe also sechs Millionen junge Bäumchen pro Jahr. Ziel dieser Klimawald-Offensive ist es, den Umbau der bayerischen Wälder im Zuge des immer schneller voranschreitenden Klimawandels hin zu klimatoleranten und stabilen Mischwäldern zu beschleunigen.“

„Für mich bedeutet der Woid Heimat“


Wie wird sich der Bayerwald in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verändern? Wird er „bunter“ und naturnaher werden?

Jürgen Völkl: „Der Bayerwald ist schon heute sehr „bunt“ und naturnah! Die Veränderungen sind deshalb eher unauffällig – die große Naturnähe wird sich nur punktuell erhöhen. „Bunter“ wird der Wald dadurch, dass abnehmende Fichtenanteile (von 54 Prozent auf 45 Prozent) von der Tanne und Buche übernommen werden, und dass wir auf rund 3 Prozent der Fläche die Douglasie und auf kleineren Flächenanteilen die Eiche einbringen werden.“

Was bedeutet der Bayerische Wald für Sie persönlich?

Jürgen Völkl: „Kurz und bündig: Der Woid ist für mich Heimat! Als geborener Oberpfälzer bin ich nach Studium und Referendarzeit und meinen „Lehr- und Wanderjahren“ in mehreren Stationen quer durch Bayern seit dem 1. April 1991 im Bayerischen Wald tätig – quasi knapp die Hälfte meines Lebens!“

Hier findest du zahlreiche Wanderungen rund um Bodenmais im Bayerischen Wald:

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